BUND Ortsverband Mittleres Albtal

Lichtverschmutzung

Unnötig brennendes Licht ist auch eine Art der Umweltverschmutzung

Wo viel Licht ist, ist starker Schatten!

Bodenstrahler  (Peter Schullerer / Peter Schullerer)

Dieser auf unseren großen Dichter Goethe zurückgehende Sinnspruch hat es im wahrsten Sinne in sich. Allerdings aus einer bislang leider wenig beachteten Tatsache: unser nächtlicher Hang, alles ins „rechte Licht“ zu setzen, führt zu einer weiteren, recht dramatischen Umweltverschmutzung:

Die nächtliche „Lichtverschmutzung“ tötet Insekten und schadet unserer Gesundheit!

Schön zwar für uns, wenn nachts auf der Terrasse bunte Solarstrahler unser Umfeld erhellen. Was nicht auf den ersten Blick zu erkennen ist: leider wirkt sich der nächtliche Lichteinsatz langfristig dramatisch aus auf Mensch, Tier und Umwelt. Künstliche Lichtquellen verwirren nachtaktive Insekten und Vögel. Straßenlaternen wirken wie ein Magnet auf unsere Insekten, von denen 70% nachtaktiv sind!  Unter den Arten, die sich jedes Jahr beim Aufprall an Leuchtkörpern verletzen oder direkt darin verbrennen, sind auch selten gewordene Arten. In den letzten zehn Jahren sind in Europa bereits viele nachtaktive Insektenarten ausgestorben. So ganz „nebenbei“ führt dies auch zu einer negativen Veränderung der Nahrungskette in unseren Ökosystemen. Auch Zugvögel, die zu zwei Drittel in der Nacht wandern, orientieren sich an den Sternen und werden so von der Lichtverschmutzung beeinflusst. Aber auch der Mensch leidet: bereits eine geringe Lichtintensität in der Nacht verschlechtert die Schlafqualität massiv. Wenn das nur bei Dunkelheit im Körper produzierte, lebenswichtige Hormon Melatonin fehlt, erzeugt dies Stress und schadet unserer Gesundheit. Chronische Schlafstörungen treten auf und verursachen weitere Beschwerden wie Übergewicht, Diabetes, Depressionen und einen erhöhten Blutdruck. Und: wann haben Sie das letzte Mal einen klaren Sternhimmel gesehen?

Schuld an der zunehmenden Lichtverschmutzung ist vor allem unser zunehmender Einsatz von LED-Strahlern, die neben dem sichtbaren Licht auch kurzwellige ultraviolette Strahlung abgeben. Die scheinbar so umweltfreundlichen Solarlampen schaden uns und unserer Umwelt mehr als wir denken. Ihre Wirkung ist wesentlich intensiver und geht weit über den Sichtbereich hinaus!

Umweltverschmutzung durch Licht: Was können wir tun?

Im Rahmen des Artenschutzes ist der BUND-Ortsverband ab sofort auch beim Thema Lichtverschmutzung aktiv und wird sich den damit gefährdeten Lebewesen (Nachtfalter, Fledermäusen...) und ihrem Schutz widmen. Wir werden zu NachtRettern! Mitstreiter sind herzlich willkommen, Ansprechpartner zu diesem Thema ist Jean-Luc Buthod, E-Mail: jeanlucbuthod(at)aol.com

Nicht jede nächtliche Beleuchtung im privaten und öffentlichen Raum ist wirklich notwendig. Am besten wir verzichten im Garten und auf Terrassen oder Balkonen auf künstliche Beleuchtung oder schalten sie abends so selten wie möglich ein.

Technische Maßnahmen: Die Leuchtkörper sollten so abgeschirmt werden, dass das Licht nur dorthin gelangt, wo auch etwas beleuchtet werden muss. Mit einer gedämpften Beleuchtung lässt sich oft eine bessere Wirkung erzielen. Wichtig: kein Lichteinsatz mit hohem Blauanteil (kurzwellige UV-Strahlung) sondern notfalls warmweiße LED-Lampen verwenden.

Ausrichtung und Platzierung der Leuchten: Jede Leuchte grundsätzlich zum Boden hin ausrichten. Vor allem Straßenleuchten sollten so platziert werden, dass sie nicht in die Umgebung oder in ökologisch sensible Räume strahlen.

Zeitliche Begrenzung: Nicht jede Laterne und jeder Scheinwerfer muss die ganze Nacht angeschaltet sein. Viele Gemeinden steuern die Beleuchtung in sensiblen Bereichen inzwischen über Bewegungsmelder, reduzieren die Leuchtstärke oder schalten die Beleuchtung nach 22 Uhr ganz aus.

Zusätzliche Maßnahmen: Es sollen nur Leuchten zum Einsatz gelangen, die eine Abdichtung gegen das Eindringen von Insekten und Spinnen aufweisen. Zu vermeiden sind helle Flächen am Boden, die das Licht besonders stark reflektieren.

Mach mit!

Motten fliegen zum Licht!  (Monika Waas / Monika Waas)

NachtRetter sind herzlich willkommen, Ansprechpartner zu diesem Thema ist

Jean-Luc Buthod, E-Mail: jeanlucbuthod(at)aol.com