Die Zauneidechse
Art des Monats: Juni 2026
(Simon Weber)
Die Zauneidechse ist ein heimisches Reptil aus der Familie der Echten Eidechsen (Lacertidae). Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Mitteleuropa bis Westasien. Die bis zu 24 cm lang werdenden Eidechsen findet man vor allem an warmen trockenen Waldrändern, entlang von Bahndämmen, auf Heideflächen oder auch in naturnahen Gärten. So trifft man sie etwa auch am Kräutergarten im Waldbronner Kurpark regelmäßig an. Allgemein profitieren sie von einer abwechslungsreichen mosaikartigen Landschaft, in der sie auch rasch neue Habitate auffinden können.
Die auffällig grün gefärbten Männchen fallen einem besonders stark ins Auge. Die Weibchen dagegen tragen ein gedecktes braun. Während der Paarungszeit zwischen April und Oktober kann man mit etwas Glück rivalisierende Männchen beim gegenseitigen Imponieren beobachten.
Zauneidechsen fressen mit Vorliebe Heuschrecken, Zikaden und Käfer, aber auch Spinnen und Regenwürmer. Sie werden jedoch auch leicht selbst zum Gejagten. Greifvögel, Krähen, Marder, Füchse und nicht zuletzt auch Hauskatzen stellen allesamt den kleinen Reptilien nach.
Neben Ihren natürlichen Feinden leidet die Zauneidechse aber vor allem unter dem Wirken des Menschen. Ein erheblicher Lebensraumverlusts durch die industrialisierte Landwirtschaft und den Straßenbau hat die Bestände der Zauneidechsen so stark schrumpfen lassen, dass sie nun in Baden-Württemberg als gefährdete Art gelten.
Daher ist es umso wichtiger, diese schützenswerten Tiere im eigenen Garten zu unterstützen. Das geht ganz einfach durch das Anlegen von Trockenmauern oder Steinhaufen. Auch Totholz anhäufen oder es einzeln in die Beete einbringen ist hilfreich, da sich die Eidechsen dort, vor allem am frühen Morgen, gerne sonnen. Pflanzt man dann noch einige heimische Wildpflanzen, lockt man auch noch ihre Futtertiere an und die Eidechsen finden einen optimalen Lebensraum im eigenen Hausgarten.
Der Kleine Feuerfalter (Lycaena phlaeas)
Art des Monats: Mai 2026
(Karola Keitel - BUND Mittleres Albtal)
Der Kleine Feuerfalter (Lycaena phlaeas) ist ein heimischer Schmetterling aus der Familie der Bläulinge (Lycaenidae). Anders als seine Verwandten hat er jedoch keine bläulichen, sondern orangeroten Vorderflügel mit einer Spannweite von bis zu 2,7 cm.
Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich über die gesamten gemäßigten bis subtropischen Bereich der Nordhalbkugel. Je nach Klima bildet er zwei bis vier Faltergenerationen pro Jahr aus, in unseren Breiten meistens aber drei, wovon die erste im März zu fliegen beginnt. Auf Grund seines großen Verbreitungsgebiets ist er nicht als gefährdet angesehen, aber wie fast alle Schmetterlingsarten hat auch der Kleine Feuerfalter hierzulande große Bestandseinbrüche erlitten und ist auch in unserer Gegend kein allzu häufiger Anblick.
Interessant zu beobachten ist häufig das territoriale Verhalten der männlichen Falter, so verteidigen sie vehement ihr Revier gegen oft viel größere Falter wie das Tagpfauenauge. Man findet den Kleinen Schmetterling am besten auf mageren Wiesen, Säumen oder Brachen, wo er seine präferierten Nektarpflanzen findet. Etwa den Rainfarn, die Wiesenmargerite, die Tauben-Skabiose oder auch die Rossminze.
Noch viel wichtiger für ihn ist aber das Vorhandensein seiner Raupenfutterpflanze, an denen er seine Eier ablegt und die Larve sich bis zum Verpuppen, satt fressen kann. Der Kleine Feuerfalter legt seine Eier in unseren Breiten fast ausschließlich an den Kleinen Sauerampfer oder auch den Wiesen-Sauerampfer. Fehlen diese Futterpflanzen, so ist auch der Falter kaum anzutreffen.
Gleichwohl kann man diesen Schmetterling auch sehr leicht im eigenen Garten unterstützen. Pflanzt man bei sich am geeigneten Standort etwas Sauerampfer und einige heimische Stauden etwa die oben erwähnten an, so siedeln sich mit etwas Glück diese farbenfrohen Falter auch im eigenen Garten an.
Wiesenschaumkraut (Cardamine pratensis))
Art des Monats: April 2026
(Fabio Schwab - BUND Mittleres Albtal)
Das Wiesenschaumkraut (Cardamine pratensis) ist einer unserer auffälligsten Frühjahrsblüher. Man findet oft große Mengen dieser zarten Stauden von April bis Mai in feuchten, nährstoffreichen Wiesen. Häufig erscheinen ganze Wiesen zart rosa von ihrer Blüte.
Diese Pflanze gehört zur Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae) und ist damit eng mit einigen bekannten Nutzpflanzen wie Raps, Senf oder Kohl verwandt. Ähnlich wie diese weist das Wiesenschaumkraut auch einen leicht scharfen, würzigen Geschmack auf und ist gut zum Verzehr geeignet. Darüber hinaus wird ihr als Tee sogar eine Heilwirkung gegen Schmerzen und Rheuma nachgesagt. Ihr scharfer Geschmack ist auf sogenannte Senfölglykoside zurückzuführen, welche die Pflanze in ihre Blätter eingelagert und als Fraßschutz vor Insekten dienen sollen.
Dennoch finden viele unserer heimischen Insekten diese Pflanze genauso lecker wie wir. Allein 45 verschiedene Wildbienenarten wurden hier schon am Pollen- und Nektarsammeln beobachtet. Auch Schmetterlinge wie etwa der Aurorafalter nutzen diese Pflanze zum Nektar trinken. Noch viel wichtiger ist aber ihre Funktion als Nahrungspflanze für die Raupen dieses Tagfalters. Die Wiesenschaumzikade ist auch häufig hier anzutreffen. Sie trinkt den Pflanzensaft des Wiesenschaumkrauts und legt dort ebenfalls ihre Eier ab. Gut zu erkennen sind die Gelege an den kleinen Schaumpolstern, die von der Zikade zum Schutz der Eier angelegt werden.
Das Verbreitungsgebiet des Wiesenschaumkrauts erstreckt sich über alle Kontinente der Nordhalbkugel, wo sie in gemäßigten bis arktischen Klimazonen anzutreffen ist. Ihre Verbreitung wird durch die Bewirtschaftung von Wiesen gefördert. Unter ausbleibender Mahd ist diese Staude nicht besonders konkurrenzstark.
Mit etwas Glück sät sich das Wiesenschaumkraut auch in den eigenen Garten ein. Wartet man mit dem ersten Mal Rasenmähen bis Anfang Mai, so kann sich die Pflanze auch dort gut etablieren und den Garten in ein rosa Blütenmeer verwandeln.
Die Erdkröte (Bufo bufo).
Art des Monats: März 2026
(Marc Hochstein)
Eine unserer häufigsten heimischen Amphibienarten ist die Erdkröte (Bufo bufo). Jetzt im März ist die Hauptwanderzeit dieser Tiere, und man kann sie oft in großen Mengen auf dem Weg zu ihren Laichgewässern finden. Amphibienschutzzäune sind hierbei von besonderer Bedeutung, in unserem Gebiet vor allem zwischen Etzenrot und Reichenbach oder auch auf der Höhe der Pflanzenoase Jansen zwischen Ittersbach und Langensteinbach. Sie verhindern nämlich die häufigste Todesursache der Kröten – das Überfahrenwerden.
Im Gegensatz zu den meisten anderen Amphibien laichen Erdkröten auch in Weihern und Teichen mit Fischbesatz. Ihre Larven sind für die meisten Fische ungenießbar. Dennoch bevorzugen sie fischfreie Gewässer von geeigneter Größe. Diese sollten nicht vor dem Landgang des Nachwuchses im Frühsommer trockenfallen.
Erdkrötenlaich erkennt man daran, dass sie meterlange Laichschnüre legen und keine Ballen wie etwa der Grasfrosch. Von der Eiablage bis zum Landgang der Larven nach vollendeter Metamorphose vergehen durchschnittlich zwei bis drei Monate.
Die adulten Tiere verbringen das restliche Jahr nach der Eiablage meist im Wald, in naturnahen Gärten oder auf strukturreichen Wiesen und Weiden. Dort jagen sie vor allem nachts Käfer, Würmer oder Schnecken. Tagsüber verstecken sie sich unter Totholz, in Hecken oder Erdlöchern.
Erdkröten leiden heutzutage vor allem unter der massiven Zerschneidung der Landschaft. Straßen, Schienen und Siedlungen unterbrechen ihre uralten Wanderwege zu den Laichgewässern. Aber auch die Laichgewässer selbst verschwinden zunehmend, und das vorzeitige Austrocknen der Tümpel wird durch den Klimawandel häufiger. Auch freilaufende Katzen sind ein Problem, da sie den Kröten häufig nachstellen.
In den letzten Jahrzehnten hat sich daher ein drastischer Bestandseinbruch dieser Amphibien vollzogen. Auch bei unseren Zählungen hier vor Ort werden es von Jahr zu Jahr immer weniger dieser faszinierenden Tiere.
Wichtige Ausweichshabitate wie naturnahe, fischfreie Gartenteiche, Totholz und Hecken können vor allem die Kröten im Siedlungsraum unterstützen.
Der Eisvogel (Alcedo atthis)
Art des Monats: Februar 2026
(Mark Kilner)
Eine unserer charismatischsten heimischen Vogelarten ist der Eisvogel (Alcedo atthis). Er ist der einzige Vertreter der Familie der Eisvögel (Alcedinidae) in Mitteleuropa. Jetzt im Februar kann man mit etwas Glück die Balzrufe der Männchen in der Nähe von Gewässern vernehmen.
In unserem Gebiet trifft man die prächtigen Vögel vor allem entlang der Alb, aber auch häufiger an stehenden Gewässern wie dem Hermannsee bei Ittersbach, dem Stegbachsee bei Pfaffenrot oder auch am Kurparksee in Waldbronn an. Sogar den Weg in einige Gärten mit ausreichend großem Goldfischteich finden die eigentlich recht scheuen Vögel ab und an.
Der Eisvogel ist ideal an das Leben an Gewässern angepasst. Er jagt Fische, Krebse und Amphibien, die sich knapp unter der Wasseroberfläche befinden. Diese späht er zuvor von einem geeigneten Ansitz nahe des Wassers aus und stürzt sich dann wie ein Pfeil mit seinem langen, spitzen Schnabel ins Wasser.
Diese Vögel brüten in selbst gegrabenen, bis zu einem Meter tiefen Bruthöhlen an unbewachsenen Steilufern von Bächen oder Seen. Sie leben meist monogam, und beide Partner beteiligen sich gemeinsam an der Brutpflege. Die Eisvogelpopulation in Mitteleuropa befindet sich zwar nach einem starken Rückgang durch die Jagd in vergangenen Jahrhunderten wieder in einem Aufwärtstrend, dennoch befindet sie sich weiterhin nicht in einem günstigen Zustand. Heutzutage leiden die Vögel stark unter Lebensraumverlust. Vor allem die Trockenlegung von Feuchtgebieten, die Kanalisierung und Begradigung von Bächen und Flüssen sowie der generelle Schwund der Strukturvielfalt in unserer Kulturlandschaft machen den Tieren nach wie vor zu schaffen.
Um die Population zu unterstützen, ist es umso wichtiger, naturnahe Gewässerstrukturen zu erhalten und zu schützen. Auch zusätzliche Renaturierungsmaßnahmen wie das Anlegen von künstlichen Brutplätzen sind bewährte Maßnahmen, die nicht nur Eisvögeln zugutekommen.
Gemeine Fichte (Picea Abies)
Art des Monats: Januar 2026
(Fabio Schwab - BUND Mittleres Albtal)
Die Fichte ist ein heimischer Nadelbaum, der über 50 Meter hoch werden kann. Man erkennt sie am besten an ihren zylindrischen, länglichen Zapfen und ihren spitzen, kurzen, quirlig um den Ast angeordneten Nadeln. Die auf den ersten Blick ähnlich erscheinende Weißtanne hat hingegen waagerecht angeordnete, abgerundete und weiche Nadeln. Hier hilft das Sprichwort: „Die Fichte sticht, die Tanne nicht!“
Die Fichte ist mit einem Anteil von 25 % der häufigste Waldbaum in Deutschland. Doch das war nicht immer so. Natürlicherweise käme sie in Deutschland nur in montanen bis alpinen Lagen ab 700 Metern vor. In unserer Region beschränkt sie sich damit auf die höheren Gipfel des Schwarzwalds. Doch erkannte man früh die Vorzüge der Fichte als Forstbaum, und spätestens seit dem Zweiten Weltkrieg galt sie als der Brotbaum der deutschen Forstwirtschaft. Sie wächst schnell und liefert sehr widerstandsfähiges und gerades Bauholz, aus dem etwa Balken für den Häuserbau gesägt werden.
Die flächige Anpflanzung dieser natürlicherweise recht seltenen Baumart führt aber auch zu einigen negativen Folgen. Bei nicht standortgerechten Pflanzungen sind Fichtenbestände wesentlich empfindlicher als Laubmischwälder und bieten bei entsprechender Witterung ideale Bedingungen für Massenvermehrungen von Borkenkäfern und infolgedessen das Absterben großer Waldflächen.
Der Nadelbaum bietet zwar Nahrung und Lebensraum für einige spannende Tierarten, wie etwa den seltenen Dreizehenspecht, einige Bockkäfer oder den Fichtenkreuzschnabel, doch ist er ökologisch wesentlich irrelevanter als die verschiedenen Laubbäume wie Buche oder Eiche, die er vielerorts ersetzt hat.
Aufgrund der ökologischen Probleme und ihrer mangelnden Klimaresilienz wird die Fichte in Zukunft vermutlich immer mehr aus unseren Wäldern verschwinden und höchstens vereinzelt im montanen Mischwald noch die Baumvielfalt bereichern.
Für mehr Infos zur Fichte schaut gern auf unserem Instagramkanal @projekt_artenvielfalt vorbei.
Zitterpappel (Populus tremula)
Baum des Jahres 2026
(Fabio Schwab - BUND Mittleres Albtal)
Für das kommende Jahr wurde die Zitterpappel zum neuen Baum des Jahres 2026 gewählt. Bei der Zitterpappel (Populus tremula) handelt es sich um einen heimischen, bis zu 35 Meter hohen Laubbaum, aus der Familie der Birkengewächse (Betulaceae), der typischerweise in lichten Wäldern, Waldrändern, Brachen und auf Steinhalden wächst. Ihr riesiges, natürliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Westeuropa bis nach Ostasien.
Die Zitterpappel wird im deutschsprachigen Raum auch Aspe oder Espe genannt. Hierher stammt auch die Redewendung “zittern wie Espenlaub”. Denn das Laub dieses Baumes “zittert” tatsächlich schon bei leichtem Wind auffällig stark.
Als Pionierbaumart ist die Zitterpappel unersetzlich für unsere heimische Natur. So trotzt sie oft widrigsten Bedingungen und besiedelt meist als erste Baumart stark gestörte Böden wie etwa auf Waldbrand- oder Kahlschlagflächen. Dorthin gelangt sie dank ihren extrem leichten, mit federartigen Strukturen ausgestatteten Samen, die es ihr ermöglichen, sich durch den Wind über viele Kilometer hinweg zu verbreiten. Einmal angekommen und gekeimt, bildet sie rasch lockere Jungbaumbestände, in deren lichtem Schatten die typischen Waldbaumarten wie Buche, Eiche und Ahorn optimale Wachstumsbedingungen vorfinden.
Ihr schnelles Wachstum macht ihr Holz auch rohstofflich interessant. Zwar produziert sie nur sehr leichtes und damit wenig widerstandsfähiges Holz, doch es eignet sich optimal für mindere Produkte wie Sperrholzplatten, Streichhölzer oder Papier.
Ökologisch ist die Zitterpappel für unsere Biodiversität von hoher Bedeutung. Es werden über 300 wild lebende Tiere und Pilze mit der Zitterpappel assoziiert und leben auf, von oder mit diesem Baum. Mindestens 60 davon sind Schmetterlinge wie der stark gefährdete große Eisvogel, der die Zitterpappel als Raupenfutterpflanze benötigt. Dieser Baum zählt damit zweifellos zu den ökologisch wertvollsten Gehölzen Mitteleuropas.
Wir vom Projekt Artenvielfalt sind sehr erfreut über die Nominierung dieses bemerkenswerten, heimischen Baumes und appellieren hiermit an Forst und Gemeinde, Bestände dieser ökologisch so wertvollen Bäume zu fördern und zu schützen.